01
Sep 2015

Kindern die Angst nehmen

Sobald über Hunde und Hundehalter gesprochen wird, kommt schnell jemand um die Ecke und berichtet darüber, dass ein Kind in der Familie ein schockierendes Erlebnis mit einem Hund hatte und seither traumatisiert ist. So auch in den Kommentaren zu meinem Beitrag "Gelobtes Land" in diesem Blog.

Es fällt mir zunehmend schwer, diese Schuldzuweisungen ernst zu nehmen. Aus eigener Erfahrung (ja, ich war auch mal Kind...) weiß ich, dass ein Schreck-Erlebnis mit einem Hund sehr tief sitzen kann. Meine Eltern waren glücklicherweise unverkrampft und konnten mich sehr schnell davon überzeugen, dass Hunde nicht grundsätzlich Monster sind. Mit sechs Jahren wünschte ich mir dann sogar selbst einen Hund und wuchs damit auf.

Sobald ich eine Geschichte von einem zu Fall gebrachten oder - sogar noch schlimmer - gebissenen Kind höre, frage ich mich, was Eltern tun, damit ihr Kind später allein mit Tierbegegnungen zurecht kommt.

Was tun die betroffenen Eltern denn, wenn ihr Kind sich erstmals mit dem Fahrrad so richtig böse langgelegt hat? Meiden sie dann auch für den Rest des Lebens Fahrräder? Laufen sie dann an Fahrradläden vorbei und rufen "Räumen sie mal das Schaufenster aus, mein Kind hat Angst vor Fahrrädern"? Wie gehen diese Eltern damit um, wenn ihr Kind von einem Auto angefahren wird. Ziehen sie dann auf eine der autofreien Inseln in der Nordsee?

Nein, in all diesen Situationen wird schnell daran gearbeitet, dass Kinder ihren Schock vergessen und künftig mit diesen Situationen umgehen können. Ich wage zu behaupten, dass es die Eltern selbst sind, die sich nicht von ihrem Schreck erholen wollen oder können.

All jene Eltern kann ich nur höflich bitten, ihren Kindern zuliebe besonnen mit solchen Erfahrungen umzugehen. Denn als Vater weiß ich nur zu gut, dass wir Erwachsenen in allen Lebenslangen die wichtigsten Vorbilder für unsere Kinder sind. Leben wir unseren Kindern Angst vor, übernehmen sie die Angst. Zeigen wir ihnen Selbstbewusstsein, fällt es ihnen leichter, mutig mit fremden Situationen umzugehen.

Kinder sind der Spiegel ihrer Erwachsenen-Umwelt.

von Jens Tippenhauer

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Kommentar von Thorsten |

Kurze Kommentare dazu:

1. Wie wahr und das sage ich als Vater von zwei Kindern !
2. Mal bei Amazon das Stichwort 'Helikoptereltern' eingeben
3. Auch wenns nur begrenzt passt - Da fällt mir spontan mein kurdischer Dönermann ein - überzeugter Raucher, denn wie er mir mit absoluter Überzeugung berichtet, rauchen ist gesund ! Und dann kam die obligatorische Geschichte, vom Freund, der einen Bekannten hat, der jemanden kennt, dessen Großvater mit dem 5. Lebensjahr angefangen hat zu rauchen - und denkste, heute ist er (gefühlte ...) 121 Jahre, raucht von morgens bis abends, und vom bösen Krebs keine Spur. Man muss es bloß immer wiederholen, irgendwann glauben es die Leute wirklich, alter Politikergrundsatz, der insbesondere beim Thema Hund nur zu gerne angewandt wird !